Die Stiftung ZURÜCKGEBEN freut sich, ihre Stipendiatinnen für das Jahr 2020 bekannt geben zu können, die Projektförderungen in Gesamthöhe von 30.050 Euro erhalten haben.

Noa Heyne, Undercurrent
Undercurrent ist eine ortsspezifische interaktive Installation in der Mikwe der Synagoge zum Weißen Storch in Wrocław (Breslau), Polen. Die Installation besteht aus bemalten Fliesen, die von einem Hydrauliksystem animiert wird. Indem sie der Architektur mithilfe von Wasser Leben einhaucht, wird Undercurrent zu einer Reflexion über Stabilität, Zugehörigkeit und Möglichkeiten der Erneuerung. Ausgehend vom rituellen jüdischen Tauchbad bezieht sich Undercurrent auf die unmittelbare Begegnung von Publikum und Kunstwerk als moderner Form eines Reinigungsrituals, das den historisch aufgeladenen Ort mit der physischen Präsenz von frischem Wasser und Gespräch in Besitz nimmt.
Mehr Infos: 
www.noa-heyne.com

Zehava Khalfa , Lyrikband von Zehava Khalfa
Zehava Khalfa, Mutter von zwei Kindern, wurde in Alma im Norden Israels geboren. Sie studierte Genetik und Nahostpolitik an der Hebräischen Universität Jerusalem. Ihre Gedichte wurden unter anderem in der israelischen Tageszeitung Haaretz und in der Hebräischen Bibliothek Berlin veröffentlicht. Darüber hinaus sind sie Teil einer zweisprachigen Gedichtsammlung, die 2019 von Yael Almog und Michal Zamir im 
Passagen Verlag in Österreich herausgegeben wurden.
Der Lyrikband besteht aus circa vierzig Gedichten in Originalsprache (Hebräisch). Der Band beschäftigt sich thematisch mit gegenwärtiger jüdischer Identität, Migration, Weiblichkeit und transnationalem Schreiben von Gedichten zwischen Deutschland und Israel.

Shlomit Lasky, The Jewish Girl´s Survival Guide to Berlin
The Jewish Girl´s Survival Guide to Berlin ist ein Roman, der auf Shlomit Laskys Erlebnissen als Israelin in Berlin basiert. Auf humorvolle Weise nähert sich das Buch den heutigen deutsch- jüdischen Beziehungen: Dem Aufeinanderprallen von Kulturen und den Konflikten zwischen Vergangenheit und Gegenwart, dargestellt durch eine Liebesgeschichte und Begegnungen mit unterschiedlichen Menschen in der Stadt. Es basiert auf dem Blog Shlomits "Abenteuer in Berlin", den sie von 2011 bis 2013 auf Hebräisch geschrieben hat und der bis zu 60.000 Klicks erzielte. Im Frühjahr 2020 wird der Roman sowohl als Taschenbuch als auch als E-Book im Selbstverlag veröffentlicht.
Mehr Infos: 
www.yourberlinerguide.com

Tatjana Moutchnik, Der Leberkäsbomber
Das Hotel Alpenblick in den österreichischen Alpen hat einen Ausweg aus der trägen Sommersaison gefunden. Seit einigen Jahren beherbergt es jüdisch-orthodoxe Gäste aus aller Welt. Zwei Monate lang gibt es koschere Küche, Gebete im Partykeller und weit und breit kein Kreuz an der Wand. Doch das Alpenidyll bekommt Risse, als eines Abends unverhofft ein unkoscheres Leberkässemmel im Hotel landet und die jüdischen Gäste gegen die österreichische Dorfbevölkerung, die arabischen Touristen aus dem Nachbarort und schließlich gegeneinander aufbringt.
Die Jagd nach dem "Leberkäsbomber" konfrontiert die Österreicher mit ihrer Integrität und die Juden mit ihrem Weltstatus: Wollen wir ewig als Opfer gesehen werden? Der Leberkäsbomber ist eine tragikomische Mini-Serie, die in den Salzburger Alpen spielt. In vier Episoden à 50 Minuten wird nicht nur der Kriminalfall gelöst, sondern das jüdische Selbst- und Fremdbild auseinandergenommen.
Eine fiktionale Geschichte basierend auf einem beinahe realen Fall.

Anna Nero, CONTROL
CONTROL so lautet der Titel von Anna Neros Einzelpublikation. Ihre künstlerische Arbeit kreist um Kontrolle, Fetischismus und Sex - jedoch immer garniert mit einer Prise Humor. Das Künstlerinnenbuch gibt Einblick in Neros umfangreiches Schaffen der letzten drei Jahre in den Medien Malerei und Keramik. Erweitert werden die Arbeiten durch Texte von Mirna Funk und Dmitrij Kapitelman.
Anna Nero wurde 1988 in Moskau geboren und kam 1995 nach Deutschland. 2015 machte sie ihr Diplom in Malerei mit Auszeichnung an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und ist seitdem als Bildende Künstlerin tätig. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main und Leipzig. Zurzeit ist sie Lehrbeauftragte an der Kunsthochschule Mainz.
Mehr Infos: 
www.cargocollective.com/annanero

Rebeca Ofek, SHEVA
SHEVA ist eine dokumentarische Webserie, die sich darauf konzentriert, die Geschichten von sieben jüdischen israelischen Frauen zu erzählen, die von Israel nach Deutschland, nach Berlin, übergesiedelt sind. Einige von ihnen sind Mütter andere sind Singles, die davon träumen, die große Liebe zu finden. Einige von ihnen stehen auf Männer, andere bevorzugen Frauen.
Eine Künstlerin, eine junge Studentin, eine mittelalte homöopathische Kosmetikerin und ich. Aus unterschiedlichen Hintergründen, Traditionen, sozioökonomischen Status und Lebenserfahrungen kommend, glauben sie alle, außerhalb ihres Heimatlandes Israel ein Gefühl der Gemeinschaft und Zugehörigkeit finden zu können.
Mehr Infos: 
www.crew-united.com

Slata Roschal, 71 Formen des Nichtsseins
Der Text besteht aus kurzen durchnummerierten, auf unterschiedlichen Ebenen zusammenhängenden Kapiteln (Erzählungen, Anekdoten, Emails, Zitatcollagen etwa aus Ebay-Kleinanzeigen und Internetforen), als roter Faden ziehen sich biografische Passagen einer Ich-Erzählerin, die versucht, einen eigenen Platz in sprachlichen Ordnungen paralleler Welten zu finden. Die Migrationsgeschichte einer russisch-jüdischen Familie wird von der Ich-Erzählerin anhand der Auseinandersetzung mit ihrer Kindheit, dem Umgang mit Zweisprachigkeit, mit Körperlichkeit, mit ihrer eigenen Mutterschaft und dem Aushandeln eines eigenen Territoriums verwoben.

Sharon Ryba-Kahn, Liebe bis 120
Dieser Film erzählt die großen Liebesgeschichten drei älterer Damen, Thea (95), Dola (89) und Mado (85), die alle in einer eleganten Senior*innenresidenz in Tel Aviv leben. Jede von ihnen definiert Liebe anders: Thea hatte nur eine große Liebe: den Mann, den sie später heiratete und dessen Krankheit sie selbst diagnostizieren musste. Dola heiratete zwei Mal, lernte schließlich einen Mann kennen für den sie alles aufgegeben hätte. Für Mado war es der Medizinstudent. Diese eine Liebe hätte sie gerne gelebt, aber nie hätte ihre Familie ihn akzeptiert. Eine Abkehr von ihrer Familie war für sie ausgeschlossen, denn 1939 wurde sie als Sechsjährige von ihren Eltern getrennt und durchlebte die Shoah alleine. Auch Thea und Dola sind Überlebende der Shoah. Nichtsdestotrotz oder vielleicht gerade wegen der Shoah leben und lieben sie wie sie es taten.
Wenn man das Undenkbare erlebte und sich in den letzten Zügen seines Lebens befindet, welche Bedeutung hat dann noch die Liebe?
Mehr Infos: 
www.sharonryba-kahn.therefractedcolor.com

Rachel Wells, Jews! Jews! Jews! A Minori-tease Cabaret
Jews! Jews! Jews! ist ein 2018 gegründetes Berliner Kabarett, das den Fokus auf Künstler*innen legt, die Minderheiten angehören. Es wurde von Lolita Va Voom (Rachel Wells) und dem jüdisch-amerikanischen Künstler Nana Schewitz gegründet. Die Mission der beiden ist es, die deutsche Kunstlandschaft zu "re-judaisieren". Deutschland verlor während der Naziherrschaft bedeutende jüdische Künstler*innen durch Emigration oder durch den Holocaust. Dies wirkt sich noch immer auf die deutsche Kunstlandschaft aus. Daher wählten die beiden das Konzept der Show so, dass sie besonders das nicht-jüdische Publikum auf einzigartige und spielerische Weise über jüdische Feiertage und Traditionen informieren, und diese auf konventionelle und moderne Art zelebrieren.
Die Show bedient sich verschiedener Genres wie Drag Performances, Burlesque, Comedy, Musik und Zauberei, um durch diese künstlerischen Ausdrucksformen auf den immer noch währenden Daseinskampf jüdischer Menschen hinzuweisen. Jews! Jews! Jews! zeigt durch Humor, Kunst und Protest, dass das Judentum in der deutschen Kunstlandschaft wieder existiert und nicht mehr der Vergangenheit angehört.

Maria Winiarski, Tikkun Olam – Musik als Heilkraft
Im Rahmen des Projekts will Maria Winiarski eine Konzertreihe mit Schwerpunkt auf die jüdischen Komponisten Hans Krása, Gideon Klein und Miesyslaw Weinberg ausrichten. Ein wichtiger Aspekt der Konzertreihe ist die soziale Seite, inspiriert von der jüdischen Idee "Tikkum Olam", die Welt durch Handlungen der Freundlichkeit zu versöhnen. Deshalb werden viele der Konzerte in einem Frauengefängnis, einer psychiatrischen Klinik und einem Frauenhaus sowie in anderen Institutionen stattfinden.
Das Projekt vereint ein starkes soziales Engagement mit hochwertigen Konzertprogrammen und beleuchtet einige der schönsten verborgenen Musikschätze des 20. Jahrhunderts.
Die drei von porträtierten Maria Winiarski brillanten jüdischen Komponisten, waren Opfer des NS-Regimes mit tragischen Lebensgeschichten, in denen sie wunderbare Werke schufen. Krása und Klein schrieben 1944 ihre Streichtrios im Ghetto Theresienstadt, kurz bevor sie in die Gaskammern in Auschwitz geschickt wurden. Weinberg war ein in Polen geborener Jude, der während der deutschen Besatzung in die Sowjetunion floh.

Impressionen