Anat Manor

Förderung des Dokumentarfilms „Hommage – Gegenwart – Zukunft". Ein Film über die Pädagogin Malka Haas und ihr Konzept der frühkindlichen Kunsterziehung.

Malka Haas, „Das Leben ist eine Ganzheit“(2011)

Filmdokumentation aus dem Kibbuz Sde Eliyahu von Anat Manor

 

Der 35:10-minutige Film handelt von der deutsch-jüdischen Pädagogin Malka Haas. 1920 in Berlin geboren, flüchtete die junge Frau in den späten 1930er Jahren nach Palästina und gehörte 1939 zu den Gründern von Sde Eliyahu, einem der wenigen religiös geprägten Kibbuzim im heutigen Israel. Der Film enthält sehr persönliche Momentaufnahmen zur einzigartigen Reformpädagogik der heute 90-jährigen Malka Haas: In Verbindung mit ihrer persönlichen Biografie erhalten wir authentische Einblicke in ihr Modell frühkindlicher Kunsterziehung:

Im Film erzählt Malka Haas über die Entwicklung ihres Konzepts. Inmitten einer lauten Schar munterer Vorschulkinder beschreibt sie, wie selbstverständlich Kinder im „richtigen“ Setting mit unterschiedlichen Kunstmaterialien, z. B. Alltagsgegenständen, umgehen und experimentieren lernen können. Ihre kreativen Aktivitäten ermöglichen es den Kindern, auf spielerische Weise eine Verbindung zwischen Erlebnissen, Emotionen und Fantasien herzustellen. Malka Hass‘ Motto „Das Leben ist eine Ganzheit“ wird in diesem atmosphärisch besonderen Filmdokument auch für den Außenbetrachter erfahrbar. Was die Kindergarten-Pädagogin Hass im Verlauf von 70 Jahren geleistet hat, kann im Mikrokosmos ihrer Kollektivgemeinschaft beispielhaft bestaunt werden: ein beeindruckendes, weil praxiserprobtes Lebenswerk.

Malka Haas greift auf anfänglich glückliche Erinnerungen an Berlin in den frühen 1930er Jahren zurück: „Ich wollte den Kindern eine glückliche, reiche und kreative Kindheit geben, wie ich sie erlebt habe“, sagt sie heute. – Ich merkte vom ersten Moment an, wie sehr mich die Begegnung mit Haas inspirierte: Als ich ihre Bucher kennen lernte, fühlte ich mich ihr sofort sehr verbunden, war richtig aufgeregt. Denn auch ich lasse in Kunst-Workshops die Kinder mit verschiedenen Materialien experimentieren, fördere ihre visuelle Wahrnehmungsfähigkeit, unterstütze ihre Verbindung zwischen Realität und Fantasie und leiste damit einen Beitrag zu ihrer individuellen Entwicklung. Als hilfreich erweist sich, dass ich in meiner künstlerischen Arbeit oftmals selbst experimentiere und dabei Alltagsgegenstände benutze.

Malka Haas verfügt über eine schier endlos scheinende Lebensenergie. Im Moment, d. h. im August 2011, schreibt Malka an ihrem siebten (!) Buch. Malka und ihr Mann Kloni sind seit 77 Jahren zusammen und genießen noch immer ihr kleines privates Glück: in einer bescheidenen Zweizimmer-Kibbuz-Wohnung – und leben und arbeiten doch mit großer Ausstrahlung auf ihre Umgebung.

Das Private ist politisch ist privat. Will sagen: Dieser Film ist eine Hommage an eine ungewöhnliche Frau, für die religiöse Bindung und Leben in der Moderne kein Widerspruch sind. Nicht zuletzt kann der Film Erzieherinnen und Eltern dazu Lust machen, ausgetretene Pfade zu verlassen und ihre Kinder auf ganz neue experimentelle Art und Weisen ganzheitlich zu fördern und stark zu machen.

 

Anat Manor wurde in Israel geboren. Sie ist Absolventin des Studiengangs Bildende Kunst am Tel Aviver Avni-Institut sowie an der Universität der Künste Berlin (MA „Art in Context“). Stipendien, Projekte und zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen im In- und Ausland; Arbeiten in öffentlichen und privaten Sammlungen.

Zur Zeit lebt und arbeitet Anat Manor in Berlin – jener Stadt, in der Malka Haas geboren und aufgewachsen ist, bevor sie vor 70 Jahren eine neue Heimat in Israel fand.

Impressionen