Marion Kahnemann

Förderung für die Gestaltung von "Denkorten" mit einer Kunstinstallation an drei ausgewählten Plätzen in Dresden, die an die Ausgrenzung der Juden - Verbot des Betretens öffentlicher Grünanlagen - ab 1938 bzw. 1940 erinnern.

www.dresden-art.de

Erstellung von drei Denkorten in Dresden - ein Kunstprojekt gegen Antisemitismus und Ausgrenzung

Ich möchte an drei ausgewählten Plätzen in Dresden die Schaffung eines Ortes des Nachdenkens und der kreativen Verstörung anregen. Diese Orte sollen daran erinnern, wie eine ganze Bevölkerungsgruppe durch schrittweise Ausgrenzung zunehmend unsichtbar gemacht wurde und damit das Gewissen nicht mehr belastete.

Ziel meines Kunstprojektes ist es, nicht nur die öffentliche Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung zu visualisieren und damit bewußt zu machen, sondern auch für heutige Ausgrenzungsmechanismen zu sensibilisieren.


Die gesamte Innenstadt von Dresden wurde am 13.Februar 1945 fast vollständig zerstört. Zwei Tage später sollten die letzten Dresdner Juden deportiert werden, was durch die Bombardierung verhindert wurde. Heute ist von der Zerstörung fast nichts mehr sichtbar, womit auch die historischen Brüche optisch verschwunden sind, die für das Gedächtnis einer Stadt wichtig sind.

In den letzten Jahren haben rechtsradikale Kräfte immer wieder versucht, wichtige Ereignisse der Stadt, darunter vor allem das Gedenken um den 13.Februar, für ihre Zwecke zu mißbrauchen. Rechtsradikale aus dem gesamten Bundesgebiet reisen jedes Jahr an diesem Tag nach Dresden. Diese Demonstrationen haben immer wieder die Neue Synagoge zum Ziel, was für große Betroffenheit in der Jüdischen Gemeinde sorgt und alte Ängste wider aufleben läßt.

Seit den letzten Wahlen sind Neonazies sowohl im Sächsischen Landtag, als auch im Stadtparlament vertreten. Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus und Geschichtsrevisionismus haben Besorgnis erregend zugenommen. Eine engagierte Zivilgesellschaft, die sich in politische Entscheidungen einmischt, ist aber aufgrund der sozialistischen Vergangenheit, des den Umgang mit Ausländern Nichtgewohntseins und der wirtschaftlichen Verunsicherung in Dresden nur sehr wenig entwickelt.

Deshalb sehe ich es als sehr wichtig an, Orte zu schaffen, die Diskussionen anregen und ein lokales geschichtliches Bewußtsein fördern.

Bei den drei Orten, die ich für mein Projekt ausgewählt habe, handelt es sich um prominente Parks der Stadt, die von allen Schichten der Bevölkerung und Touristen stark frequentiert werden (Großer Garten, Blüherpark und Brühlsche Terrasse).

Diese Parks stehen stellvertretend für all die öffentlichen Grünanlagen, die ab 1940 (ein Ort bereits ab 1938), von Juden nicht mehr betreten werden durften. Ich möchte an diesen drei Orten je eine vorhandene Bank durch eine schlichte Kunstinstallation ersetzen. Die Kunstinstallation soll aus einer gläsernen Bank bestehen (auf Bruchsicherheit wird wegen der Gefahr von Vandalismus geachtet), die in Form und Maß den anderen Bänken entspricht. Auf der Lehne soll die Aufschrift "HINSEHEN" als negative Schrift ausgespart werden. Falls Leute anfangen sollten, das Glas zu zerkratzen, was,  wenn ich realistisch bin, leider zu erwarten ist, wird diese Aufschrift für den Betrachter immer deutlicher sichtbar, da es sich um eine negative Schrift handelt Neben der Bank, vom linken Banksockel ausgehend, soll ein Textband (aus Eisenguss) mit dem Zitat "NUR FÜR ARIER" und mit dem Hinweis auf die entsprechenden Polizeiverordnungen, passend zu den Besonderheiten des jeweiligen Ortes in Deutsch und in Englisch in den Boden eingelassen werden. (Die Aufschrift "NUR FÜR ARIER" war während der Zeit des Nationalsozialismus auf Bänken in ganz Deutschland zu lesen.)

Kontakt:
Marion Kahnemann - Dipl.-Bildhauerin
e-mail: mkahnemann[at]yahoo.de

Kurzbiografie (Auswahl):
1986 Diplom (Skulptur) der Hochschule für Bildende Künste in Dresden; seitdem freischaffend in Dresden; Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen im In - und Ausland;
1993 Kunstförderpreis der Stadt Dresden;
1995 Reisestipendium (nach Israel), Memorial Foundation of Jewish Culture, New York;
2000 Arbeitsaufenthalte im Künstlerhaus Herzliya, Israel und im Werkraum Warteck Basel, Schweiz;
2000/01 Wallenberg-Stipendium und 2005/06 Buber-Stipendium, Paideia, Europäisches Institut für Jüdische Studien, Stockholm; 1998 Brunnengestaltung, Dresden; 2001 Denkmal für die Deportation der Dresdner Juden, Neustädter Bahnhof, Dresden.

Impressionen