Wege des Zurückgebens

Wege des Zurückgebens

Sie sind nichtjüdische/r Deutsche/r und haben Kenntnis darüber, dass sich Gegenstände von jüdischen Menschen in Ihrem (Familien-)Besitz befindet? Sie fragen sich wie diese Objekte in den Besitz Ihrer Eltern oder Großeltern kamen und wem sie ursprünglich gehörten?

Fast eine halbe Million jüdische Menschen lebten um 1933 in Deutschland. Sie wurden entrechtet, vertrieben, deportiert und ermordet; ihre Habe wurde vom nationalsozialistischen Regime „verwertet“ und dessen Erlöse dem Staatshaushalt zugeführt.

Im Zusammenhang mit der erzwungenen Emigration und Deportation jüdischer Menschen wurde in Deutschland jüdisches Eigentum in öffentlichen Versteigerungen – meist für geringe Summen – verkauft. Bei den Versteigerungen wurden teilweise ganze Wohnungseinrichtungen veräußert; darunter Möbel und Kleidung, Spielzeug, persönliche Erinnerungs- und Erbstücke, Bücher, Judaica, Antiquitäten und Kunstwerke. Hiervon profitierten die Nachbarinnen und Nachbarn sowie Kolleginnen und Kollegen der betroffenen ehemaligen Besitzerinnen und Besitzer.

Unzählige dieser Gegenstände wie beispielsweise das Meißner Porzellan, das von der Oma vererbt wurde oder der schöne Wäscheschrank, der schon seit Jahrzehnten im elterlichen Haus steht, befinden sich auch heute noch in deutschen Haushalten.
Im Gegensatz zu Kunstwerken, die unter anderem durch die Looted Cultural Assets Datenbank recherchiert werden können, sind die Provenienzen dieser Alltagsgegenstände kaum nachvollziehbar.

Dennoch ist es der Stiftung ZURÜCKGEBEN in einigen wenigen Fällen durch aufwendige Recherche gelungen die rechtmäßigen Besitzer/innen ausfindig zu machen und die Rückgabe jüdischen Eigentums zu ermöglichen. Hierzu zählen beispielsweise die sechs Heinrich Heine-Bücher, die ehemals Ernst Reizenstein gehörten, und mit Hilfe der Arbeit der Stiftung im Jahr 2018 an dessen Nachfahren aus London zurückgegeben werden konnten.

Jüdisches Eigentum zurückgeben

Die Stiftung ZURÜCKGEBEN möchte zumindest einen symbolischen Ausgleich für die verbreitete Vorteilsnahme, mit der sich viele Deutsche am Schicksal der Jüdinnen und Juden bereicherten, ermöglichen. Daher versteht sie sich auch als Anlaufstelle für Menschen, die Unterstützung bei der Rückgabe von möglichem NS-Raubgut aus ihrem Familienbesitz und der damit zusammenhängenden Recherche, wie die Nachfahrensuche, benötigen.

Wer einen solchen Besitz ihr/sein Eigen nennt, kann diesen aber auch verkaufen und den Erlös der Stiftung zur Verfügung stellen. Mit den Spenden fördert die Stiftung vielfältige Projekte von jüdischen Künstlerinnen und Wissenschaftlerinnen, die heute in Deutschland leben und arbeiten.

Sollte sich jüdisches Eigentum in Ihrem Besitz befinden, für dessen Rückgabe Sie Hilfestellung benötigen, können Sie uns per E-Mail kontaktieren: info@stiftung-zurueckgeben.de
Wir unterstützten Sie gern im Rahmen unserer Möglichkeiten bei der Erb/innenermittlung und ersten Informationen zu der Suche in Archiven.

Möchten Sie unsere Arbeit unterstützen? Wir freuen uns über jede Spende!

Zum Thema NS-Raubgut, Provenienzforschung und Rückgaben finden Sie außerdem weiterführende Informationen in unserer Literaturliste.